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Das Business Transformation Framework und Lab von …

  • By Sanjay
  • 28/05/2026
  • 12 Views


In der monatlichen Kaffee-Ecke der SAP Training und Change Management Community stand diesmal ein Thema im Mittelpunkt, das über das klassische Change Management und Training hinausgeht: Business Transformation als ganzheitliche Unternehmensaufgabe. Katja Wenzel und Christina Lehmann, beide im Bereich Strategy und Business Architecture Advisory bei SAP tätig, gaben Einblicke in ein Framework, das SAP entwickelt hat, um Transformationsvorhaben strukturierter und messbarer zu gestalten.

Warum scheitern Transformationen immer wieder an denselben Stellen?

Business Transformation ist kein neues Thema. Und dennoch zeigt die Praxis, dass viele Vorhaben nicht den Mehrwert liefern, den Unternehmen sich davon versprochen haben. Christina Lehmann beschrieb das Muster, das sie in Projekten immer wieder antrifft: Unternehmen starten mit ambitionierten Transformationszielen, verlieren diese aber im Verlauf aus den Augen. Laufzeiten werden zu lang, Verantwortlichkeiten bleiben unklar oder werden hin- und hergeschoben, Risiken werden unterschätzt oder gar nicht erst thematisiert.

Diese Beobachtung war der Ausgangspunkt für die Entwicklung des Business Transformation Frameworks. Der Anspruch dahinter ist nicht, ein weiteres Projektmethoden-Rahmenwerk zu schaffen, sondern Leitplanken zu setzen, an denen sich Unternehmen über die gesamte Dauer einer Transformation orientieren können. 

Was bedeutet eigentlich mit Business Transformation?

Zur Einstimmung wurden die Teilnehmer gebeten, ihre Assoziationen zum Begriff Business Transformation in einer Mentimeter-Wordcloud zu teilen. Das Ergebnis zeigte die ganze Bandbreite: Innovation, Fortschritt und Neugier auf der einen Seite, Unsicherheit, Überlastung, Widerstand und Angst auf der anderen. Auch Begriffe wie Kommunikation, Kultur, Zielbild, Management Support und überlastete Key User tauchten auf.

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Katja Wenzel machte auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Der Begriff Transformation wird von drei Personen auf mindestens fünf verschiedene Arten interpretiert. Genau das ist ein zentrales Problem in der Praxis. Wer nicht dasselbe meint, wenn er über Transformation spricht, wird auch keine gemeinsame Richtung finden.

Ihr Bild für Business Transformation ist das der Raupe, die zum Schmetterling wird. Man kann einer Raupe ein Skateboard geben oder einen kleinen Antrieb anhängen, dann ist sie schneller und effizienter. Aber sie bleibt eine Raupe. Erst wenn sie sich grundlegend verändert, entsteht etwas wirklich Neues. Übertragen auf Unternehmen bedeutet das: Eine Systemeinführung oder eine Brownfield-Konversion bringt Effizienzgewinne und Optimierungspotenziale, aber sie verändert nicht das Grundprinzip. Echte Transformation setzt ein klares Zielbild voraus und den Willen, sich daran konsequent auszurichten.

Impulsvortrag_Kaffee-Ecke_28052026.JpgDabei ist Transformation kein abgeschlossenes Projekt. Sobald ein Unternehmen einen neuen Zustand erreicht hat, beginnt die Welt sich bereits weiter zu verändern. Das Ziel verschiebt sich, die Anforderungen ändern sich, und die Anpassung muss weitergehen.

Erfolgsfaktoren aus der Community

In einer zweiten interaktiven Runde sammelten die Teilnehmer die ihrer Ansicht nach wichtigsten Erfolgsfaktoren für Business Transformation. Die Ergebnisse deckten sich in weiten Teilen mit dem, was Katja und Christina aus ihrer eigenen Projekterfahrung kennen: klare Vision und Zielbild, offene Kommunikation, Zusammenarbeit über Funktionsgrenzen hinweg, Vertrauen, Kulturwandel, Management Support, Governance und messbare Ergebnisse. Mehrfach tauchten auch Themen wie Sinnhaftigkeit, Transparenz und die Fähigkeit auf, Aufmerksamkeit über lange Zeiträume hochzuhalten. Transformation ist ein Marathon, kein Sprint. Und wie bei jedem Marathon braucht es Zwischenetappen, an denen man Erfolge sichtbar machen und feiern kann.

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Das Business Transformation Framework: Sieben Bausteine

Das Framework von SAP bündelt die Erfahrungen aus vielen Transformationsprojekten in sieben Themenbereichen, die zusammen einen Orientierungsrahmen für businessgetriebene Transformation bilden.

1. Transformation Target Alignment

Der erste und grundlegende Baustein ist die Klarheit über das Zielbild. Was will das Unternehmen mit der Transformation erreichen? Wo soll es sich strategisch positionieren? Dieses Zielbild muss nicht nur definiert, sondern auch klar kommuniziert und konsequent verankert werden, auch wenn es sich im Verlauf der Transformation anpassen sollte.

2. Transformation Governance

Ohne klare Steuerungsstrukturen verlieren sich Transformationen in Zuständigkeitsfragen. Dieser Baustein adressiert die Etablierung von Governance-Strukturen, Rollen und Verantwortlichkeiten, die sowohl während der Transformation als auch danach tragfähig sind.

3. Transformation Risk Management

Risiken werden in Transformationsprojekten zu häufig auf Projektrisiken reduziert. Der Framework-Ansatz zielt darauf ab, die Risiken der Transformation selbst frühzeitig zu identifizieren und aktiv zu steuern, einschließlich der Frage, welche Risiken entstehen, wenn die Transformation nicht stattfindet.

4. Value and Performance Steering

Transformation liefert nur dann nachweisbaren Mehrwert, wenn vorher definiert wird, woran man ihn messen will. Dieser Baustein unterstützt Unternehmen dabei, individuelle KPIs zu erarbeiten, die sowohl finanzielle als auch qualitative Dimensionen abdecken können: von Kostensenkung über Prozessstandardisierung bis hin zur Verbesserung der Auditfähigkeit. Die KPIs werden nicht vorgegeben, sondern gemeinsam mit dem Unternehmen erarbeitet.

5. Innovation Adoption

Innovationen werden in vielen Projekten auf später verschoben, bis die technischen Grundlagen stehen. Das ist aus Sicht der Referentinnen ein gravierender Fehler. Innovation muss von Beginn an integriert werden, nicht als Ergänzung, sondern als Teil des Transformationsgedankens.

6. Organizational Change Capability

Dieser Baustein geht über klassisches Change Management im Projekt hinaus. Es geht darum, eine organisatorische Veränderungsfähigkeit aufzubauen, also die Grundlagen zu schaffen, damit eine Organisation dauerhaft in der Lage ist, sich zu verändern. Veränderungsfähigkeit als Kompetenz, nicht nur als Projektmaßnahme.

7. Standardization and Simplification

Komplexität, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, behindert Transformation. Dieser Baustein beschäftigt sich damit, Strukturen, Prozesse und Technologien zu vereinfachen und zu standardisieren, um Handlungsspielräume zurückzugewinnen.

Das Framework ist technologieunabhängig. Tools wie Signavio oder Business AI können unterstützend eingesetzt werden, sind aber keine Voraussetzung. Auch Partner können in das Modell eingebunden werden, da Transformationen typischerweise in einem Ökosystem stattfinden.

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Das Business Transformation Lab

Neben dem Framework wurde ein konkretes Workshop-Format vorgestellt: das Business Transformation Lab. Es richtet sich an Unternehmen, die am Anfang einer Transformation stehen oder ihre bestehenden Vorhaben neu ausrichten wollen.

Das Lab ist ein eintägiges Format, das Kunden nach Walldorf oder Zürich einlädt. Es gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil ist ein inspirativer Abschnitt in einem immersive Experience Raum, in dem neue Ansätze, innovative Konzepte und Transformationsimpulse gemeinsam beleuchtet werden. Der zweite Teil ist eine Ideation Session mit Methoden die man aus dem Design Thinking kennt, in der die gewonnenen Impulse konkretisiert werden: Was sind die individuellen Handlungsfelder? Wie sieht eine erste Roadmap aus? Welche Bausteine des Frameworks sind für dieses Unternehmen besonders relevant?

Das Business Transformation Lab ist als kostenfreier initialer Workshop konzipiert pro Kunde. Die weitere Ausarbeitung des Frameworks erfolgt dann individuell und projektabhängig. 

Btf2.JpgErgebnisse aus den Breakout-Sessions

In Gruppenarbeiten diskutierten die Teilnehmer einzelne Bausteine des Frameworks. Ein zentrales Ergebnis war, dass viele der sieben Bereiche als gleichwertig wichtig eingeschätzt werden, auch wenn je nach Unternehmen und Reifegrad unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Besonders hervorgehoben wurden Governance, Zielklarheit und die organisatorische Veränderungsfähigkeit als Bereiche, in denen Unternehmen am häufigsten Nachholbedarf haben. 

Fragen und Antworten

Wie wird Transformation messbar gemacht?
KPIs müssen individuell pro Unternehmen definiert werden. Sie können finanzielle Kennzahlen umfassen, aber auch qualitative Größen wie die Reduktion von Prozessvarianten oder die Verbesserung der Auditfähigkeit. Der Ansatz sieht vor, KPIs gemeinsam mit dem Unternehmen zu erarbeiten, nicht vorzugeben.

Was bedeutet ganzheitlich im Kontext des Frameworks?
Ganzheitlich bedeutet das Zusammenspiel von Strategie, Organisation und Technologie. Organisatorische Aspekte werden in der Praxis häufig unterschätzt und zu spät adressiert. SAP wird oft nur mit Technologie assoziiert, der Framework-Ansatz versucht bewusst, dieses Bild zu erweitern.

Können Partner in das Modell eingebunden werden?
Ja. Transformationen finden in einem Ökosystem statt, und das Framework ist darauf ausgelegt, auch Partner einzubinden.

Ist das Framework an bestimmte Tools gebunden?
Nein. Technologien wie Signavio können unterstützend eingesetzt werden, das Framework selbst ist technologieunabhängig.

Wie wird Governance definiert?
Governance umfasst sowohl Steuerungsstrukturen und Prozesse als auch Rollen und Verantwortlichkeiten. Sie ist sowohl während der Transformation als auch danach relevant.

Wie priorisiert man die sieben Bausteine?
Die Empfehlung ist, den Reifegrad des Unternehmens als Ausgangspunkt zu nehmen und dort anzusetzen, wo die größten Lücken bestehen. Es gibt keine universelle Reihenfolge.

Ist das Business Transformation Lab kostenpflichtig?
Das Lab ist als kostenfreier initialer Workshop konzipiert. Die weitere Ausarbeitung erfolgt individuell im Rahmen eines Projekts.

O-Töne aus der Session

  1. “Man kann einer Raupe ein Skateboard geben, aber sie bleibt eine Raupe.” Einzelne Optimierungen sind kein Ersatz für echte Transformation.

  2. “Transformation ist ein Marathon, kein Sprint.” Zwischenerfolge sichtbar zu machen ist entscheidend, um die Aufmerksamkeit und Energie über lange Zeiträume aufrechtzuerhalten.

  3. “Wenn man drei Leute fragt, was Business Transformation bedeutet, bekommt man fünf Antworten.” Ein gemeinsames Verständnis ist die Voraussetzung für eine gemeinsame Richtung.

  4. “Wer vorher nicht misst, sieht nie, was besser geworden ist.” Value and Performance Steering ist kein Nice-to-have, sondern eine Grundvoraussetzung für nachweisbaren Transformationserfolg.

  5. “Veränderungsfähigkeit ist eine organisatorische Kompetenz, keine Projektmaßnahme.” Organisationen müssen die Fähigkeit zur Veränderung dauerhaft aufbauen und verankern.

  6. “Innovation darf nicht auf später verschoben werden.” Wer Innovationen erst nach der technischen Implementierung einbindet, hat den Kern von Transformation verfehlt.

Praktische Tipps für die Praxis

Zielbild vor Projektstart definieren. Bevor ein Transformationsvorhaben startet, sollte das strategische Zielbild klar formuliert und kommuniziert sein. Ohne gemeinsames Verständnis, wohin die Reise geht, verlieren sich Teams in operativen Details.

KPIs gemeinsam erarbeiten. Messbarkeit ist kein bürokratischer Akt, sondern die Grundlage für Steuerung und Nachweise. Finanzielle und qualitative KPIs sollten früh definiert und regelmäßig überprüft werden.

Governance von Anfang an aufbauen. Verantwortlichkeiten und Steuerungsstrukturen müssen vor Beginn der Transformation etabliert sein, nicht erst wenn Probleme auftreten.

Transformationsrisiken separat betrachten. Projektrisiken und Transformationsrisiken sind nicht dasselbe. Wer nur Projektrisiken managt, unterschätzt die eigentliche Gefahr.

Innovation früh einbinden. Innovative Konzepte und neue Geschäftsmodelle gehören in die Startphase einer Transformation, nicht in eine zweite Phase, die oft nie kommt.

Veränderungsfähigkeit als Kompetenz entwickeln. Change Management im Projekt reicht nicht. Organisationen brauchen eine dauerhaft verankerte Fähigkeit, sich anzupassen und weiterzuentwickeln.

Komplexität aktiv reduzieren. Gewachsene Strukturen und Prozesse regelmäßig hinterfragen und vereinfachen, um Handlungsspielraum für echte Transformation zu schaffen.

Zwischenerfolge sichtbar machen. Lange Transformationen brauchen Etappenziele, die gefeiert werden können, um Motivation und Rückhalt aufrechtzuerhalten.

Resümee

Die Session zeigte, dass Business Transformation mehr ist als eine Systemeinführung oder ein IT-Projekt. Das Business Transformation Framework von SAP bietet einen strukturierten Ansatz in sieben Bausteinen, der Unternehmen helfen soll, Transformation ganzheitlich zu denken und zu steuern: von der Zielklarheit über Governance und Risikomanagement bis hin zu Messbarkeit, Innovation, Veränderungsfähigkeit und Komplexitätsreduktion.

Besonders wichtig ist der Impuls, dass Transformation nicht als einmaliges Projekt verstanden werden sollte, sondern als kontinuierlicher Prozess. Die Raupe, die zum Schmetterling wird, bleibt nicht stehen. Sie entwickelt sich weiter, solange sich die Rahmenbedingungen verändern.

Das Business Transformation Lab bietet einen niedrigschwelligen Einstieg, um gemeinsam mit SAP ein Verständnis für die eigene Transformation zu entwickeln und erste Handlungsfelder zu definieren. Der Ansatz ist technologieunabhängig und auf den jeweiligen Unternehmenskontext zugeschnitten.

Für die Community aus Change Management, Training und Adoption ist diese Perspektive eine wichtige Erweiterung: Veränderungsfähigkeit beginnt nicht im Projekt, sondern muss als organisatorische Grundkompetenz aufgebaut werden. 

Relevante Links und Ressourcen

SAP Business Transformation Framework Labs und weitere Labs 

Podcast zum Business Transformation Framework auf Apple & Spotify  

SAP Learning und Adoption Forum am 11.06ten

 

 

 

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